Das Amt, das es nicht gibt: „Treffpunkt Ehrenamt“

Eh scho wissen: Wir befinden uns im europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit. Pro Woche werden in Oberösterreich 2,8 Millionen Stunden ehrenamtlich gearbeitet, rechnet uns das Land OÖ vor. Das könnte aber noch mehr sein, findet das Land, und möchte daher ehrenamtliche Tätigkeiten fördern.Und zwar ganz konkret durch die Einrichtung einer Anlaufstelle namens „Treffpunkt Ehrenamt“ in allen Bürgerservicestellen der Bezirkshauptmannschaften, im Landhaus und im Landesdienstleistungszentrum. So heißt es in einer Pressemeldung Anfang Oktober. Eine feine Sache, denke ich mir, und mache mich mit Zettel, Bleistift und ein paar Fragen auf zum Bürgerservice Urfahr. „Ich suche die Anlaufstelle Treffpunkt Ehrenamt“. Fragende Gesichter, ergebnislose Recherchen, vergebliche Telefonate. Nein, sowas gibt es hier nicht. Vielleicht an der BH. Ach so, dann bin ich hier falsch. Macht nix, im Flyer steht eine weitere Anlaufstelle: das LDZ. „Ich möchte mich freiwillig engagieren und hätte ein paar Fragen. Bei Ihnen gibtʼs doch diese Anlaufstelle...“ Ich bekomme freundlich einen Flyer in die Hand gedrückt. „Aber den hab ich doch schon! Und ich habe gelesen, ich könne mich hier im „one stop shop“ informieren!“ Nein, leider. Ich möge doch die Website besuchen. „Aber ich habe so selten Internetzugang und... möchte mich trotzdem ehrenamtlich engagieren.“ Ungläubige Blicke. Im Jugendservice ums Eck gäb’s PCs mit gratis Internet. Schön. Am Flyer „Treffpunkt Ehrenamt“ finde ich eine Telefonnummer, deren zugehöriges Telefon irgendwo im Landhaus steht. „Hallo? Treffpunkt Ehrenamt? Ich möchte mich erkundigen, welche Möglichkeiten es gibt, im Kulturbereich ehrenamtlich tätig zu sein. Und wie’s da mit Versicherungsschutz ausschaut und...“ Meine wissensdurstige Fragerei ist vergeblich. Die Abteilung der Person an der Leitung ist nur für die Administration der Website zuständig. Wenn das mit dem Internet so ein Problem sei (...) könne ich mir die Infos der Website ja auf der BH ausdrucken lassen. Ein letzter Versuch. Die Frau an der BH ist wirklich freundlich. Ich könne schon vorbeikommen. Aber ehrlich gesagt könne sie mir selber nicht sagen, was überhaupt auf dieser Internetseite steht. Es habe sich noch nie jemand dafür interessiert. Sie habe nur die Anweisung bekommen, darauf zu verweisen. Ich glaube jetzt verstanden zu haben, dass „Treffpunkt Ehrenamt“ ein Web-Projekt ist, hinter dem keine Fragenbeantworterinnen stehen. Dass sich der Inhalt meines Artikels auf eine primitive Web-Recherche beschränken muss. Also, was findet sich auf
www.boerse-ehrenamt.at? Eine Börse, auf der sich 27 oberösterreichische Vereine eingetragen haben, die, wenn ich richtig verstehe, vielleicht bereit wären, Freiwillige für sich arbeiten zu lassen. Aha. An anderer Stelle wird Hilfe für Vereine angeboten, klingt interessant. Und? Wer hilft mir? Die KUPF! Und 4 weitere Vereine. Wie gut, dass es die KUPF gibt! Wie das mit der Haftpflicht- und Unfallversicherung für ehrenamtlich Tätige aussieht, interessiert mich jetzt aber trotzdem noch. Ich lese, dass uns die Oberösterreichische Versicherung zu ihrem 200ten Geburtstag „ab 1. Juli 2011 für das kommende Jahr prämienfrei den Versicherungsschutz für freiwillig Engagierte“ schenkt. Ich muss gestehen, das stellt tatsächlich eine Verbesserung der Rahmenbedingungen dar! Endlich eine gute Nachricht. Ich rufe an. „Hallo, ich habe eine Frage zur Versicherung für freiwillige Helferinnen in OÖ. Und zwar mache ich ehrenamtlich eine Sendung im Freien Linzer Stadtradio, auf Radio FRO und möchte wissen, ob ich versichert bin, wenn ich irgendwas im Studio kaputt mache?“ Nein, also für Radios gelte das nicht, nur für gemeinnützige Einrichtungen. „Aber das ist ein Freies Radio und das ist schon gemeinnützig! Oder? Ich meine, da arbeiten ca. 350 Sendungsmachende ehrenamtlich mit...“ Hm. In diesem Fall hänge es dann wohl von der konkreten Radiosendung ab. Also ob der Inhalt gemeinnützig sei. Außerdem greife diese Versicherung
eh erst, wenn sonst gar kein Versicherungsschutz besteht, und ein Radio wird wohl versichert sein? Und außerdem komme der Versicherungsschutz eh erst ab einem Schaden von über 500 Euro zum Tragen, wegen dem Selbstbehalt. Was soll ich sagen? Liebe freiwillig Engagierte im Kulturbereich, schaut, dass eure Tätigkeit auch wirklich nachweisbar gemeinnützig ist! Und wenn euch was passiert, schaut, dass der Schaden groß genug ist! Dann ist wenigstens die Oberösterreichische Versicherung für euch da.

Veronika Anna Moser arbeitet freiwillig, aber nicht ehrenamtlich, bei und für Radio FRO.